ASCO | Blumenfeldstrasse 20 | CH 8046 Zürich | T 044 377 50 25 | F 044 377 55 14 | info(at)asco-nightclubs.ch
Verband Schweizerischer Konzertlokale, Cabarets, Dancings und Discotheken
31.10.2008
Kategorie: Alkohol, Diskotheken, Drogen, Lärmprobleme, Prävention, Rauchverbot, Schall- und Laserverordnung, Sperrstunde

Deutsche Diskotheken bangen um Zukunft


Der Disco-Besuch ist das beliebteste Freizeitvergnügen der jungen Deutschen: Rund hundert Millionen Gäste pilgern jährlich in die rund 2200 Diskotheken des Landes. Doch viele Clubbesitzer sehen sich durch Gesetzesänderungen in ihrer Existenz bedroht.

"Die Diskothekenlandschaft steht durch Rauchverbote, Lärmpegelbegrenzungungen und Diskussionen um ein Alkoholverbot für Jugendliche vor den tiefgreifendsten Veränderungen der vergangenen Jahre", kommentiert Fachjournalist Alexander Hosp die derzeitige Situation der Branche.

Für Ralf Dreier, Betreiber der Nachterlebniswelt PM bei Augsburg, ist klar, dass Discos besonders stark unter den Anti-Raucher-Gesetzen leiden: "Während ein Fitnessstudiobesucher sportlich aktiv sein will, entscheiden sich unsere Gäste bewusst für Spass, Musik, Unterhaltung und Genuss. Zu letzterem gehört nun auch mal Alkohol- und Tabakgenuss und davon lebt unser Gewerbe." Henning Franz, Präsident des Bundesverbandes der deutschen Diskotheken, fordert eine einheitliche Regelung des Nichtraucherschutzes. Allen Betreibern soll ein Recht auf Rauchernebenräume eingeräumt werden, Einraum-Gastronomen soll die Entscheidung selbst überlassen werden.

Doch damit wären die Probleme der Nachtgastronomen noch lange nicht gelöst. Kopfzerbrechen bereiten auch die zunehmenden Gehörprobleme von Jugendlichen, denn nach politischem Willen könnten auch diese künftig durch ein "Gesetz zur Lärmpegelbegrenzung" reguliert werden.

Nach dem Tod eines 16-jährigen Schülers, der nach schwerem Alkoholmissbrauch in einem Berliner Lokal im Februar mehrere Wochen im Koma lag, gerieten die Anbieter von Flatrate-Partys schwer unter Beschuss. Der SPD-Sozialexperte Jochen Wahnschaffe fordert ein generelles Alkoholverbot für Jugendliche. Das löse nicht das Problem, findet Dreier: "Studien zeigen, dass der übermässige Alkoholkonsum vor allem bei 10- bis 15-Jährigen ausgeprägt ist. Ein Diskothekengast hat laut Gesetz aber erst ab 16 Jahren Zutritt."

"Eine Disco konkurriert heute gegen jegliches Freizeitangebot wie Verein, Kino oder Fitnessstudio", konstatiert Alexander Hosp. Und damit das Geschäft der Unterhaltung, des Spasses, des Genusses und der Party weiter konkurrenzfähig bleibt, fordert Dreier "bei allem Verständnis für die politischen Ziele, endlich auch den Problemen der Gastronomen Gehör zu schenken." Ansonsten verlagern sich Problematiken wie Rauchen unter 18 und übermässiger Alkoholkonsum von Jugendlichen auf unbeaufsichtigte Plätze.