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Verband Schweizerischer Konzertlokale, Cabarets, Dancings und Discotheken
26.06.2015
Kategorie: Verband

Geschäftsmodell der Cabarets auf dem Prüfstand


Das Schloss Schadau, in einem idyllischen Park am Ufer der Aare und des Thunersees gelegen, bildete einen wunderschönen Rahmen für die 82. ordentliche Generalversammlung der ASCO.  Die Mitglieder sind stark verunsichert, weil das Tänzerinnenstatut per Ende Jahr aufgehoben wird. Die Rekrutierung von Artistinnen dürfte viel schwieriger werden. Zudem dauert es wohl einige Jahre, bis sich eine neue Rechtspraxis herausbildet. 

Präsident Jürg König wies in seinem Jahresbericht darauf hin, dass die ASCO eine kritische Grösse immer mehr unterschreitet. Man werde Dienstleistungen abbauen, Strukturen weiter verschlanken und sich themenmässig noch mehr fokussieren. Der Verband werde sich dennoch weiterhin mit aller Kraft für die Belange der Cabaret-Branche einsetzen, so König. 

Rückmeldungen aus den Kantonen zeigen, dass dies auch nötig ist. Noch wissen die Behörden scheinbar nicht, wie sie mit der Situation nach dem Wegfall der L-Bewilligungen für Cabaret-Tänzerinnen aus Drittstaaten umgehen sollen. Für die Mitgliederbetriebe gesellt sich ab 2016 zur Herausforderung, im EU/EFTA-Raum genügend Artistinnen zu rekrutieren, eine unangenehme Rechtsunsicherheit. 

Die ASCO sammelt zurzeit Informationen aus den Kantonen. Klar ist, dass die bisherigen Musterverträge überarbeitet werden. Das Obligationenrecht und das Arbeitsgesetz werden wichtige Grundlagen darstellen, die unterschiedlichen Gastgewerbe- und zum Teil auch Prostitutionsgesetze sowie die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative sind aber ebenso zu beachten. Das Geschäftsmodell der klassischen Nachtlokale steht vor einer Zäsur. Bei den Agenturen macht sich ebenso Ratlosigkeit breit. 

Immerhin zeichnen sich gewisse Freiheiten ab, weil Auflagen wegfallen, die bisher an die Erteilung der L-Bewilligungen gekoppelt waren (z.B. das Séparée-Verbote in einzelnen Kantonen oder die unsäglichen Netto-Mindestlöhne). Andererseits zeigen Erfahrungen in Ländern wie Italien oder Norwegen, dass geeignete Frauen sehr hohe Gagen erwarten und Vertragsdauern oft nicht einhalten. Hoffnungen auf Kostensenkungen dürften sich als trügerisch erweisen.

Der Jahresverlust 2014 der ASCO fiel mit 35'097 Franken deutlich geringer aus als budgetiert. Die finanzielle Lage ist nach wie vor komfortabel. Neben einem Eigenkapital von fast 214'000 Franken bestehen Rückstellungen und zweckgebundene Fondsvermögen in der Gesamthöhe von 435'000 Franken. Vor diesem Hintergrund halbierte die Generalversammlung für nächstes Jahr die Mitgliederbeiträge. Von dieser Regelung sind Neumitglieder ausgeschlossen.  

Ein Höhepunkt war die Ernennung von Paul Vögeli zum Ehrenmitglied. Vögeli, seit 1966 bei der ASCO, war über vierzig Jahre lang im Vorstand tätig, wo er als Bindeglied zur Schweizerischen Fach- und Vermittlungsstelle für Musiker diente. Präsident Jürg König verabschiedete ausserdem den langjährigen Ombudsmann Jacques Rüdisser und den PR-Verantwortlichen Maurus Ebneter. 

Nach der Generalversammlung trafen sich die rund 40 Mitglieder und Gäste zum Apéro und Nachtessen in den eleganten Räumlichkeiten des Schlosses. Die Möglichkeit, an einer Führung durch das im Haus beheimatete Gastronomiemuseum teilzunehmen, wurde rege genutzt.

Bilder der GV in Thun