ASCO | Blumenfeldstrasse 20 | CH 8046 Zürich | T 044 377 50 25 | F 044 377 55 14 | info(at)asco-nightclubs.ch
Verband Schweizerischer Konzertlokale, Cabarets, Dancings und Discotheken
20.07.2012
Kategorie: L-Bewilligungen, Tänzerinnen

Behörden unterliegen einem gewaltigen Irrtum


Das Tänzerinnen-Statut hat sich bestens bewährt. Die L-Bewilligungen haben eine hohe Schutzwirkung. Kaum eine Branche ist so stark reglementiert und überwacht wie die Cabarets. Vollzugsschwierigkeiten in einzelnen Kantonen dürfen kein Anlass sein, einen in sich funktionierenden Wirtschaftszweig abzustrafen. 

Gemäss Vernehmlassungsbericht wird die geplante Abschaffung des Tänzerinnen-Statuts vor allem mit einer fehlenden Schutzwirkung begründet. Nichts ist falscher als das. Die Aufhebung wird die Lage der Tänzerinnen aus Drittstaaten in der Schweiz keineswegs verbessern – ganz im Gegenteil! 

Die bestehende Regelung bietet eine beinahe schon einmalige Rechtssicherheit – sogar verglichen mit allgemeinverbindlichen Gesamtarbeitsverträgen für Inländer und Arbeitnehmer aus dem EU- und ETFA-Raum. Die ASCO hat zusammen mit den Behörden und Frauenorganisationen einen Musterarbeitsvertrag ausgearbeitet, welcher in mehr als einem Dutzend Sprachen vorliegt. 

Im Vertrag sind die Entlöhnung, die Arbeitszeiten und Ruhetage klar geregelt, ebenso die Form der Lohnauszahlung, die Unterbringung der Tänzerinnen, die Kosten der medizinischen Untersuchung bei der Einreise, die Rückerstattung der Reisekosten, die Höchstsätze für Vermittlungsprovisionen, eine durch den Arbeitgeber zu bezahlende Krankenversicherung sowie die Krankentaggeld- und Unfallversicherungen. 

Die Tänzerinnen, meist junge Frauen unter 25, verdienen brutto zwischen 4700 und 7500 Franken pro Monat. Diese Tatsache ist leider wenig bekannt, weil man immer nur vom Mindest-Nettolohn redet, der in den meisten Kantonen 2300 Franken beträgt. Hier sind nicht nur Sozialversicherungsbeiträge, sondern auch die Quellensteuern, die Zimmermiete, die Krankenversicherung und Agenturgebühren bereits abgezogen. 

Ein Hintergedanke der geplanten Abschaffung des Tänzerinnen-Statuts ist, dass der Zustrom von Tänzerinnen aus Drittstaaten versiegen soll. In der Realität werden jedoch vermehrt Frauen aus diesen Ländern mit einem Touristenvisum oder illegal in die Schweiz einreisen. Das Einschleusen von Frauen aus Osteuropa, Afrika und Südamerika über Schengen-Länder wie Polen, Slowenien, Griechenland oder Spanien ist leider bereits heute Alltag. Ohne Arbeitsbewilligung werden diese Frauen in den Untergrund gedrängt.  

Absurderweise könnte die Abschaffung des Tänzerinnen-Statuts dazu führen, dass die gepflegte erotische Unterhaltung in der Schweiz nahezu verunmöglicht wird, während die Strassenprostitution, welche für die Frauen unabhängig vom Herkunftsland ein wesentlich grösseres Gefahrenpotenzial birgt, immer mehr legalisiert und von Seiten der Politik gar unterstützt wird.